Jazz-Klavier-Dozent Benjamin Schatz in Thailand

ENERGIE UND LEIDENSCHAFT: Jazz - Mekka Thailand

Thailand ist ein wahres Jazz-Mekka. Zu diesem Resümee kommt unser Jazzklavier-Dozent Benjamin Schatz. Er war vor Ort - und begeistert.

Im Rahmen des Erasmus+-Programms hatte ich vom 22. bis 26. September 2025 die Gelegenheit, an der Mahidol University in Bangkok als Gastdozent im Fachbereich Jazz zu unterrichten. Dieser Aufenthalt war nicht nur fachlich äußerst bereichernd, sondern ermöglichte mir auch tiefe Einblicke in die thailändische Jazzkultur, die sich in den letzten Jahrzehnten auf beeindruckende Weise entwickelt hat. Durch intensiven Austausch mit Lehrenden und Studierenden konnte ich wertvolle künstlerische und pädagogische Impulse setzen und gleichzeitig viel über die lokale Szene lernen. Mein Aufenthalt bestätigte, wie bedeutend internationale Mobilität für den kulturellen und akademischen Austausch im Jazzbereich ist.

Die Popularität des Jazz in Thailand hat historische und kulturelle Gründe. Besonders hervorzuheben ist die Rolle des früheren thailändischen Königs Bhumibol Adulyadej, der selbst ein passionierter Jazzsaxofonist und Komponist war. Seine persönliche Begeisterung führte zu einer gezielten Förderung dieser Musikrichtung, wodurch Jazz in Thailand hohes Ansehen genießt und bis heute aktiv unterstützt wird. Jazz gilt nicht als Nischenphänomen, sondern als Teil nationaler Kulturidentität und musikalischer Bildung. Dieser kulturelle Hintergrund hat eine außergewöhnlich lebendige Jazzszene entstehen lassen, die sich durch hohe Professionalität, großen Enthusiasmus und starke internationale Vernetzung auszeichnet.

Jazzfestival und Wettbewerb an der Maidol University

Thailand beherbergt mehrere bedeutende Jazzfestivals, die internationale Künstler anziehen und gleichzeitig eine Plattform für junge Talente bieten. Besonders hervorzuheben ist das jährlich am Campus der Mahidol University stattfindende Jazzfestival, bei dem Studierende gemeinsam mit internationalen Stars auftreten. Zudem gibt es einen renommierten Jazzwettbewerb an der Universität, bei dem Studierende aus dem ganzen Land teilnehmen. Diese Veranstaltungen erzeugen eine hohe Sichtbarkeit und tragen wesentlich zur Motivation der Studierenden bei. Nicht zuletzt bin auch ich durch dieses Festival auf die Mahidol University und Jazz in Thailand im Allgemeinen aufmerksam geworden.

 Jazzausbildung in Thailand

Allein in Bangkok gibt es drei Universitäten mit spezialisierten Jazzabteilungen. Diese Institutionen bieten Bachelor- und Masterstudiengänge an, die sich in Struktur und Anspruch mit westlichen Musikhochschulen vergleichen lassen. Die Curricula umfassen Hauptfachunterricht, Ensemblearbeit, Musiktheorie, Komposition und regelmäßige Auftrittsmöglichkeiten. Der Jazz hat in Thailand einen institutionell gefestigten Platz innerhalb der akademischen Musikausbildung und erfreut sich wachsender Beliebtheit.

Die Jazzabteilung der Mahidol University

Die Mahidol University gilt als führende Ausbildungsstätte für Jazz in Südostasien. Die Jazzabteilung ist hervorragend ausgestattet und didaktisch breit aufgestellt. Beeindruckt hat mich beispielsweise die große Zahl an Studierenden im Hauptfach Jazzklavier – derzeit etwa 40. Dies zeigt das enorme Interesse und das hohe Ansehen dieses Studiums. Die Studierenden verfügen über ein bemerkenswert hohes musikalisches Niveau. Sie sind äußerst motiviert, wissbegierig und verfügen über fundierte Kenntnisse der Jazztradition. Dieses Niveau ist vor allem darauf zurückzuführen, dass das Transkribieren von Jazzsoli fester Bestandteil der Ausbildung ist und konsequent praktiziert wird. Ich konnte eine stark ausgeprägte Verbindung zur Jazzgeschichte und ein tiefes Verständnis für stilistische Authentizität feststellen. Am Campus findet jährlich ein Jazzfestival mit internationalen Gästen statt, ebenso der bereits erwähnte Jazzwettbewerb, an dem die Studierenden aktiv teilnehmen. Diese Ereignisse schaffen eine inspirierende Atmosphäre und setzen starke künstlerische Impulse. Ich bin bereits mit den Verantwortlichen in Kontakt und plane, in Zukunft selbst als Künstler an diesem Festival mitzuwirken.

Während meines Aufenthalts unterrichtete ich Studierende der BA- und MA-Programme sowie zwei Lehrenden der Klavierabteilung und gab auch Ensembleunterricht.

In der Jazz Piano Class gab ich Gruppenunterricht mit Hauptfach-Studierenden.

Inhaltliche Schwerpunkte waren:

• Motivische Improvisation

• Timing- und Rhythmustraining

• Analyse und Erweiterung der Jazz-Language

• Kompositionstechniken und strukturelles Hören

Die Studierenden nahmen mit großer Begeisterung teil, stellten gezielte Fragen und setzten die Inhalte direkt musikalisch um. Besonders beeindruckte mich ihre Disziplin und ihr Respekt gegenüber der Jazztradition sowie ihre Offenheit für neue Konzepte.

Aktivitäten außerhalb des Unterrichts

Neben meiner Lehrtätigkeit wurde mir eine Campusführung angeboten, durch die ich Einblicke in Infrastruktur, Bibliothek, Proberäume und Konzerteinrichtungen erhielt. Ich nahm an gemeinsamen Mittagessen mit Lehrenden und dem Erasmus-Beauftragten teil, was die persönliche Vernetzung vertiefte. Ein weiterer bedeutender Aspekt meines Aufenthalts war die Teilnahme an Jam Sessions in der Jazzbar Alone Together in Bangkok. Dort trafen sich Jazzprofessoren und Studierende der Mahidol University sowie weiterer Universitäten Bangkoks. Diese Abende boten nicht nur musikalische Inspiration, sondern vertieften auch das Verständnis für die lebendige Jazzgemeinschaft in Thailand.  

Fazit und Ausblick

Mein Erasmus-Aufenthalt an der Mahidol University war in künstlerischer, pädagogischer und persönlicher Hinsicht äußerst bereichernd. Die Kombination aus hohem Ausbildungsniveau, institutioneller Unterstützung und echter Begeisterung für den Jazz machte diesen Aufenthalt zu einem besonderen Erlebnis, von dem ich hoffe, es in Zukunft wiederholen zu können. Ich konnte nicht nur meine eigene künstlerische Perspektive erweitern, sondern auch nachhaltige Kontakte knüpfen, die bereits konkrete Perspektiven für zukünftige Kooperationen eröffne. Es wurde großes Interesse geäußert, dass ich noch einmal dort unterrichten als auch konzertieren werde. Die Begegnungen mit den Studierenden haben mich tief beeindruckt. Ich nehme ihre Energie und Leidenschaft als Inspiration mit nach Europa. Dieser Aufenthalt hat mir erneut gezeigt, wie wichtig kultureller Austausch im Jazz ist, einer Kunstform, die durch internationale Verständigung lebt und wächst.