Seit 2024 arbeitet Micheletti an der Joseph-Haydn-Privathochschule Eisenstadt, wo er Stilkunde und Aufführungspraxis, Italienische Phonetik, sowie Opern-, Lied- und Oratoriumsgeschichte unterrichtet.
Von Montag, 09. bis Mittwoch, 11. Februar 2026 verbrachte er im Zuge des Erasmus-Programmes einige Tage in Madrid. Real oder Atletico? Das war bei seinem Besuch nicht das Thema.
Hier sein authentischer Bericht:
Es war eine sehr lehrreiche Erfahrung. Der Austausch kam dank des Kontakts zu Prof. José María Domínguez zustande, den ich 2014 kennengelernt hatte und dem ich im September 2025 auf einer internationalen Konferenz in Lissabon wiederbegegnet bin. Ich glaube, dass für den Erfolg solcher Projekte gegenseitige Wertschätzung ein wichtiger Ausgangspunkt ist.
Mit Prof. Domínguez haben wir den Inhalt meiner drei Vorträge detailliert abgestimmt, auch unter Berücksichtigung des Niveaus der Studierenden der verschiedenen Kurse. Am Ende meines letzten Vortrags wurde ich gebeten, eine Sängerin am Cembalo zu begleiten, um einige unveröffentlichte Stücke von Alessandro Scarlatti und Francesco Cavalli aufzuführen. Die Stücke habe ich in Absprache mit der Sopranistin Delia Agúndez ausgewählt, mit der ich im Januar in Kontakt getreten bin.
Die Vorbereitung hat mich drei Wochen Arbeit gekostet, sowohl für die Transkription einiger der Stücke, die ich gespielt habe, als auch für die Vorbereitung der Powerpoints. Letztere habe ich dann den Studierenden zur Verfügung gestellt, damit sie einige Details und bibliografische Informationen in Ruhe nachlesen konnten. Da dieses Institut für Musikwissenschaft ein großes Interesse an italienischer Barockmusik hat, wurde ich gebeten, die Vorlesungen auf Italienisch zu halten, und Prof. Domínguez übersetzte gelegentlich die wichtigsten Konzepte.
Am Montag zeigte mir Herr Domínguez zunächst den Universitätscampus, der nach amerikanischem Vorbild in einem Stadtteil außerhalb des Stadtzentrums liegt, und dann die Fakultät für Musikwissenschaft. Anschließend stellte er mir den Direktor der Abteilung, Prof. Álvaro Torrente, vor. Dieser erläuterte mir ein neues Forschungsprojekt der Abteilung, bei dem künstliche Intelligenz für die Musikanalyse eingesetzt wird.[1] Anschließend hielt ich eine zweistündige Vorlesung über das Rezitativ für die Bachelor-Studierenden. Am Abend desselben Tages sprach ich vor den Master-Studierenden der Fachrichtungen Musik und Theater über den Verismo und die Zusammenarbeit zwischen Maria Callas und dem Regisseur Luchino Visconti. Der Tag endete mit einer Klavierprobe mit der Sopranistin Delia Agúndez zur Vorbereitung des Konzerts am Mittwoch.
Am Dienstagmorgen hörte ich zunächst einen Vortrag des französischen Pianisten Pierre-Laurent Aimard,[2] der über seine Beziehung zu bedeutenden Komponisten des 20. Jahrhunderts (Boulez, Lachenmann, Messien usw.) sprach. Die Veranstaltung umfasste ein Interview und anschließend einen Dialog mit den anwesenden Studierenden. Anschließend hörte ich mir eine Vorlesung von Prof. Domínguez über Monteverdi für die Bachelor-Studenten an. Es war sehr nützlich, seine Lehrmethode zu beobachten.
Am Mittwoch fand eine kleine Tagung zu Alessandro Scarlatti statt, bei der neben mir zwei weitere Wissenschaftler sprachen: Luca Della Libera und Álvaro Torrente. Der erste stellte seine jüngste Publikation mit unveröffentlichten Briefen von Alessandro Scarlatti vor,[3] während Prof. Torrente über das oben erwähnte Forschungsprojekt sprach, mit besonderem Bezug auf die Form der Arie mit Dacapo, ein Thema, das ich anschließend ebenfalls behandelte. Mein Vortrag konzentrierte sich auf Probleme der Aufführungspraxis italienischer Opern der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts: die Appoggiaturen und Verzierungen in den Arien. Ich wurde gebeten, Beispiele aus der Oper Pompeo von Alessandro Scarlatti zu verwenden, die ich vor Jahren für meine Masterarbeit studiert hatte. Auf diesen theoretischen Teil folgte dann die praktische Demonstration, d. h. die Aufführung einiger Arien mit der Sängerin. Wir haben dann den Übergang zu den Praxisaspekten gezeigt, die ich in meinem Vortrag thematisiert hatte. Die Studierenden zeigten großes Interesse und stellten spezifische Fragen. An dieser Konferenz nahmen auch andere Professoren der Fakultät teil (Víctor Sánchez Sánchez, Luis López Ruiz) die sich anschließend mit weiteren Fragen an der Diskussion beteiligten.
Das Feedback von Prof. Domínguez war sehr positiv, er hat mir vorgeschlagen, die Zusammenarbeit in den kommenden Jahren fortzusetzen und vielleicht auch den praktischen Teil auszuweiten. Er hält es für sehr nützlich, historische Aspekte mit denen der Aufführungspraxis zu verbinden, mit denen sich seine Studierenden in ihrer Ausbildung selten befassen. Während meines Besuchs hatte ich Gelegenheit, andere Musikwissenschaftler der Fakultät kennenzulernen. Unter den verschiedenen Themen, die diskutiert wurden, kam auch das Problem der Kürzungen im Forschungsbereich zur Sprache, die derzeit in verschiedenen europäischen Ländern vorgenommen werden.
Generell glaube ich, dass diese Art des Austauschs sehr nützlich ist, sowohl für den Informationsaustausch und die Erweiterung des eigenen Netzwerks als auch für die Beobachtung der Lehrmethoden erfahrener Kollegen.
verfasst von Marco Micheletti
[1] https://scherzo.es/musica-la-inteligencia-artificial-aplicada-a-la-musica/
[2]https://cndm.inaem.gob.es/node/23756
[3]https://www.lim.it/it/saggi/6932-con-la-dovuta-humilta-del-mio-profondo-rispetto-9788855434249.html



